englishE9N - ENSEMBLE 9. NOVEMBER

PREMIERE:
Donnerstag, 2. November 2017

DENKE ICH AN KAFKA
WERDE ICH ZUM FUCHS








Fotos:
Sabine Lippert


Alle Aufführungen:
Donnerstag, 2. November 2017, 20 Uhr
Freitag, 3. November 2017, 20 Uhr
Samstag, 4. November 2017 ,20 Uhr
Sonntag, 5. November 2017, 18 Uhr

Mittwoch, 15. November 2017, 20 Uhr
Donnerstag, 16. November 2017, 20 Uhr
Freitag, 17. November 2017, 20 Uhr


Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de



Eine musikalische Groteske mit unabsehbaren Folgen.

URAUFFÜHRUNG


Nach der Erzählung von David Garnett “ Dame zu Fuchs“

„Wenn Frauen fuchsig werden.“ (Zeit Online)

David Garnett, englischer Autor, bewegte sich in den berühmten literarischen Zirkeln um Virginia Woolf (Bloomsburrygroup). Bekannt wurde er vor allem nach dem Erscheinen seiner Novelle:
"Dame zu Fuchs" 1922.
Zehn Jahre, nachdem Franz Kafka seinen Gregor Samsa in ein unwürdiges Insekt verwandelte, findet hier eine ebenso merkwürdige Metamorphose statt: " Mann bleibt Mann, Frau wird Fuchs".
Leichtfüßiger und weniger düster als Kafkas Verwandlung, erleben wir bei Garnett ein ironisch gestricktes Verhältnis zwischen Mensch und Tier. Das Zusammenleben mit Mrs. Tebricks fortschreitender " VERPELZUNG", mit Humor und einer allumfassenden Wärme beschrieben, erweist sich dennoch als äußerst komplex. Der Prozess der Verwilderung schreitet voran, erzeugt jedoch immer wieder Funken menschlicher Nähe. Unaufhörlich strahlt die Liebe Mr. Tebricks zu seiner Fähe, schmerzhaft komisch in seinem Bemühen, sie als Frau und später auch als Tier anzuerkennen. Eingebaut ist ein dramatischer Schachzug von 3 Fabelwesen, die sowohl die Atmosphäre als auch die Handlung mit Choreografien, Objekten und obskuren Bildern anheizen.
"Dame zu Fuchs" ist eine Liebesgeschichte, die aus ungewöhnlichen Perspektiven an den Gitterstäben der Konventionen rüttelt." (Deutschland Funk)
"Ein wunderbares Vexierbild der Liebe", ein Taumel rasanter Bilder, voll trunkener Ästhetik, außergewöhnlichen Objekten und Kostümen, lassen raffinierte Rhythmen und rätselhafte Körpersprache entstehen. Wie immer ein "Gesamtkunstwerk".

Das Ensemble 9 November lädt alle Liebhaber von Kunst zu dieser ästhetischen Partitur der Sinne ein!

Regie / Dramaturgie
Helen Körte

Bühne / ObJEKTE
Wilfried Fiebig

Musik
Elvira Plenar
(Komposition, Piano)

Choreographie
Damaso Mendez

Kostüme
Margarete Berghoff

Licht
Johannes Schmidt

Schauspiel
Raiija Siikavirta (Füchsin)
Michael Fernbach (Mr. Tebrick)
Janine Karthaus, H. Linde
Damaso Mendez (Fabelwesen)

Zeichentrick
Leonore Poth

Ausschnitt "Uterus Film"
Andreas Dominiak, Mari Krehe

Grafik / Animation
Jörg Langhorst

Fotografie
Sabine Lippert

Regieassistenz
Hanna Linde

Mit freundlicher Unterstützung des Kulturamts Frankfurt und der FAZ Stiftung

   
DER TRAUM DER ROTEN KAMMER
ODER DIE GESCHICHTE DES NICHTS
   
Dr. Wilfried Fiebig
Inszenierung, Dramaturgie, Objekte, Bühne

Helen Körte
Proben, Choreographie

Schauspiel, Gesang, Tanz
Mirjam Baur
Janine Karthaus
Eric Lenke
Kathrin Schyns
Gesang:
魏雪 (Xue Wei)
Gabriele Zimmermann
Violine:
Katrin Becht
Piano:
한 혜 진 (Hye-Jin Han)

Musikalische Einspielungen:
HUI Taak-Cheung (Komposition)
Bastian Fiebig (Komposition)
Projektionen (Malerei):
Christine Fiebig
Yue Jiang

Licht:
Tarkan Gürsoy
Wilfried Fiebig

Dramaturgie Assistenz:
蒲江虹 (Jianghong Pu-Kleene)

PREMIERE:
Donnerstag, 23. März 2017

DER TRAUM DER ROTEN KAMMER
ODER DIE GESCHICHTE DES NICHTS




Bild: Christine Fiebig







Fotografie:
Sabine Lippert




Alle Aufführungen:
Donnerstag, 23.März 2017, 20 Uhr
Freitag, 24. März 2017, 20 Uhr
Samstag, 25. März 2017 ,20 Uhr
Sonntag, 26 März 2017, 18 Uhr

Donnerstag, 18. Mai 2017, 20 Uhr
Freitag, 19. Mai 2017, 20 Uhr
Samstag, 20. Mai 2017, 20 Uhr
Sonntag, 21. Mai 2017, 18 Uhr

Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de



IM CHAOS DER TRÄUME
FLIEGENDE WÄNDE
INMITTEN EINER ZERRISSENEN OPER

Ein neues Gesamtkunstwerk des E9N feiert Premiere.



„Der Traum der roten Kammer“ ist eine gesamtkünstlerische, freie Dramatisierung des gleichnamigen chinesischen Romans aus dem 18.Jh. Er handelt von einem Liebesdrama, das sich nach dem Willen der göttlichen Vorsehung auf Erden abspielen soll.
Die Vorgeschichte dieses Liebesdramas spielt vor der Zeit, während danach, eingetaucht in die rasende Zeit, sich die Liebe in all ihrem Wechsel wild entfaltet und am Ende zurückkehrt zu der Zeitlosigkeit des Anfangs.
Im Chaos der Träume, fliegende Wände inmitten einer zerrissenen Oper, es ist ein Taumel von Bildern, Licht und Farbe, soweit das Auge reicht, Körper, ganz umschlungen von fleischlichen Abenteuern, kreuzen sich mit skulpturalen Materialien, die sich als schillernde Reflexionen emporrangeln, rätselhaft von Musik begleitet, stachelt all dies die Dynamik und Poesie an, surreal und auch humorvoll, in allen Wirrungen des „Traums der roten Kammer“. Vielseitige Schauspieler/innen, unterstützt von einer mitspielenden Violine, die Figuren der Traumerzählung skizziert, führen zugleich ins Reich der Erotik, voller Anmut und Schicksal.
Eröffnet wird dies , in einer Art Gesangsouvertüre , von einer Chinesischen Sängerin, begleitet von einer Koreanerin am Piano. Im Verlauf des Abends bezaubert ebenfalls Gabriele Zimmermann als Mezzosopran.
Mit der Dramatisierung des chinesischen Romans erweitert das „Ensemble 9. November“ nun den Horizont seines Repertoires nicht nur im Sinne der Weltliteratur. In der Inszenierung werden sich chinesische und europäische Kunstelemente abwechseln, gegenübertreten und durchdringen, ihre Ästhetiken geltend machen.

Gesamtinszenierung, Objekte, Bühne, Dramatisierung :
Dr. Wilfried Fiebig

Probe und Choreographie:
Helen Körte

Schauspiel, Gesang, Tanz:
Mirjam Baur,
Janine Karthaus,
Eric Lenke,
Kathrin Schyns

Gesang:
Xue Wie,
Gabriele Zimmermann

Violine:
Katrin Becht

Piano:
Hye-Jin Han

Musikalische Einspielungen:
HUI Taak-Cheung
Bastian Fiebig (Komposion)
Projektionen, Malerei:
Christine Fiebig,
Yue Jiang

Dramaturgische Assistenz:
Jianghong Pu-Kleene

Licht:
Tarkan Gürsoy,
Wilfried Fiebig

Fotos:
Sabine Lippert
Grafik:
Joerg Langhorst


PRESSESPIEGEL

Frankfurter Rundschau vom 25.3.2017:

Untergang einer Großfamilie
Das Ensemble 9. November dramatisiert ein chinesisches Epos

Von Andrea Pollmeier

das Ensemble 9. November (E9N) hat keine Scheu vor umfassenden literarischen Werken. Nachdem zuletzt ein rumänischer Roman für die Bühne bearbeitet wurde, hat sich das Duo Helen Körte und Wilfried Fiebig jetzt einem der wichtigsten Werke der chinesischen Literatur zugewandt.
Der im 18. Jahrhundert entstandene Roman „Der Traum der roten Kammer“ ist erst vor zehn Jahren vollständig ins Deutsche übersetzt worden und erzählt die Geschichte vom Verfall und Untergang einer chinesischen Großfamilie. Das ausladende Gesamtwerk umfasst 120 Kapitel, etwa 350 Personen treten auf, im Europäischen Universitätsverlag ist es in drei Bänden erschienen. Wilfried Fiebig hat eine überzeugende, lyrisch verdichtete Bühnenversion erarbeitet und darin zentrale philosophische Grundzüge des komplexen Werkes in den Vordergrund gestellt. „Der Traum der roten Kammer oder die Geschichte vom Nichts“, so der vollständige Titel der E9N-Inszenierung, die jetzt im GallusTheater in Frankfurt Uraufführung hatte, erzählt die im Roman angelegte Dreiecks-liebesgeschichte zwischen dem androgynen Pao Yü und seinen beiden Cousinen, der draufgängerischen Pao Ttschai und der in sich gekehrten Lin Tai Yü. Die Kraft der Inszenierung liegt jedoch nicht in dem am Roman orientierten Handlungsablauf. Es ist Vielmehr die autonome Art, in der sich das E9N der chinesischen Erzählweise annähert, ohne diese zu imitieren. So wirkt der Premierenabend nicht wie ein missglückter Versuch, auf chinesische Art daherzukommen. Ein solcher Weg hätte trotz der engen Zusammenarbeit mit chinesischen Künstlern (u.a. Dramaturgie-Assistenz: Jianghong Pu-Kleene) scheitern müssen. Andererseits ist aber auch spürbar, dass Kultursprachen unterschiedlicher Welten hier zusammengeführt worden sind.
Zu Beginn singt ein buddhistischer Mönch — ohne übersetzte Texteinblendung — in chinesischer Sprache. Es folgt der Gesang von Xue Wei, die von Hye-Jin Han am Piano begleitet wird. In kargen, stilisierten Sprechakten, bei denen Gesang, Tanz und Schauspiel (Mirjam Baur, Janine Karthaus, Eric Lenke und Kathrin Schyns) eng ineinander greifen, wird im Folgenden von der Geburt des Jungen Pao Yü erzählt. Er ist mit einem Jadestein im Mund geboren. Geister haben sein Leben gerettet und ihn zu einem Auserwählten gemacht. Fortan greifen sie schicksalhaft in sein Leben ein.
Entstanden ist ein komplexes Werk, das auf den Ebenen von Text, Musik (Violine: Katrin Becht), Malerei (u.a. mit Werken des Malers Yue Jiang) und Tanz (Choreografie: Helene Körte) Synergien erzeugt, die keiner Leitkultur Raum gibt.

FAZ vom 25.3.2017:

„Der Traum der roten Kammer“

Der wohlbeleibte Chinese in traditioneller Kleidung ist kein Geringerer als der Künstler Yue Jiang, ein im Reich der Mitte prominenter Meister der klassischen Tuschmalerei, dessen Arbeiten vor knapp fünf Jahren im Gallus-Theater ausgestellt worden waren. Im Gegenzug zu einer Schau, die der Künstlerphilosoph Wilfried Fiebig in Frankfurts Partnerstadt Guangzhou damals zeigte. Jetzt hat Fiebig den chinesischen Roman „Der Traum der roten Kammer“ von Cao Xueqin aus dem 18. Jahrhundert in eine Dramenversion gebracht, ein Bühnenbild dafür geschaffen und etliche Objekte gebaut, mit denen die Schauspieler des „Ensembles 9. November“ wie üblich eine konstruktive Symbiose eingehen. Regie führte Helen Körte. Sie gab Yue Jiang einen Auftritt zu Beginn des Stücks. Vermutlich zitiert er mit großer Geste einen Auszug aus dem epischen Mammutwerk, eine personenreichen Geschichte einer Familie im Verfall.
Auf der Bühne im Gallus wurde aus dem Roman eine west-östliche Szenenfolge rund um das Geheimnis des roten Zimmers und des leuchtenden Jade-steins, mit dem ein Knabe im Mund geboren wurde. Aus Mythologie und Eros entstehen poetische und manchmal urkomische Bilder, Traumsequenzen und neckische Momente. Das alles beherrschende Thema ist die Liebe, die hier als Schicksalsmacht in dem wörtlichen Sinn zu verstehen ist, dass höhere Kräfte sie auf der Erde inszenieren, was dem Begehren und Schmachten, dem Schwärmen und dem Kummer keinen Abbruch tut.
Keiner ist vor den Wirren der Gefühle sicher, aber auch nicht davor, sich lächerlich zu machen — ein Aspekt, den die Inszenierung weidlich ausschöpft. Doch sie nimmt immer Bezug auf das kultivierte Spiel, als das die Liebe zumindest in den höheren Kreisen des Kaiserreichs China stets gesehen wurde. Dazu passen die künstlerischen Gebilde, die Objekte und Installationen, die Kostüme und Körpererweiterungen, die in den theatralen Arbeiten von Körte und Fiebig immer eine wichtige Rolle spielen. Zwar ist die Ausstattung üppig und von einem phantastischen Formenreichtum, aber die Dinge wirken wohlgeordnet, manchmal geradezu geometrisch, sind Teile eines Traums von Ebenmaß und Schönheit, Ausgeglichenheit und Weltenharmonie. Ein bisschen Taoismus ist dieses Mal dabei, auch wenn die ästhetische Moderne des Abendlands mit ihren Zersplitterungen und Zerfaserungen nicht völlig ausgeblendet wird. Aber die ostasiatische Anmutung bestimmt über weite Strecken das Geschehen, auch das musikalische. Denn so viel Westen muss sein: Ohne den Anspruch auf ein Gesamkunstwerk aus Literatur, Musik, bildender Kunst geht hier nichts.
(zen)
   

PREMIERE
Donnerstag, 3. November
2016

„WARUM DAS KIND
IN DER POLENTA KOCHT“
oder
„spricht Gott fremde Sprachen?“

 







Fotografie:
Sabine Lippert


ALLE
AUFFÜHRUNGEN:


PREMIERE:

Donnerstag, 3. November, 20 Uhr

Freitag, 4. November 20 Uhr
Samstag, 5. November 20 Uhr
Sonntag, 6. November 18 Uhr

Donnerstag, 17. November 20 Uhr
Freitag, 18. November 20 Uhr
Samstag, 19. November 20 Uhr



Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de


 



Nach dem Roman der rumänischen Autorin Aglaja Veteranyi (1999)

In ihrem Roman schildert die Autorin, selbst Tochter eines Clowns und einer Artistin aus der Sicht des Kindes, die Geschichte der Familie, die aus dem diktatorischen Rumänien nach Afrika und Südamerika flieht, um dort in der Manege aufzutreten. Mit 15 Jahren reist die Protagonistin mit ihrer Familie in die Schweiz. Sie kann weder lesen noch schreiben, wird dennoch Schriftstellerin. Durch die sprachliche Buntheit ihrer Kindheitserfahrung entsteht in der Autorin ein hochexplosives Gemisch aus Sprachakrobatik und Sprachlosigkeit, Naivität und Wissen. Hier wird weniger Psychologie, als vielmehr ein Weltbild komponiert. In der akustisch, visuellen Sprache der Autorin „kreischen Hühner international; und im Himmel werden Spezialabteilungen geschaffen für Artisten die fliegen können“, während der Vater mit abstrusen Filmen zur Heiterkeit beiträgt. Die Autorin erzählt, ohne Sentimentalität, Geschichten aus Ihrer Erfahrungs- und Exilwelt wo Fremdheit und Unbehaustheit allgegenwärtig sind.

„Denn bei aller Unbehaustheit, sind die Heimatlosen die frühesten
Internationalen der Geschichte.“

Mit der Uraufführung des Stückes gastierte das Ensemble 9 November vor zwölf Jahren auf Einladung des Internationalen Theaterfestivals in Sibiu (Hermannstadt). 2016 fand eine Neubearbeitung des Stückes statt. In der Inszenierung verschmelzen Theater, Film, Live Musik, gespielt von drei „famosen Darstellerinnen“ (FAZ), vier vielseitigen Musikern (auf 14 Instrumenten), und neu dazu, einem begnadeten Tänzer. Fünf Kinder aus fünf verschiedenen Nationen zwischen 11 und 13, Jahren zaubern, sowohl in ihrer eigenen – als auch in der deutscher Sprache, fein choreographierte wunderbare kleine Szenen herbei – zusammen mit den Schauspielern und Musikern des E9N. Kinder werden nicht gekocht (Nur im Märchen). Balkan Lieder, komponierte und improvisierte Musik, Akrobatik und Spiel auf einer multifunktionalen, farbige Bühne erklären uns die Welt des Kindes und warum es in der Polenta kocht, oder auch nicht.

„gezeugt wurde ich in Krakau
geboren in Bukarest. Die Hände meiner
Hebamme kamen aus Deutschland. Mein
Blinddarm blieb in der Tschechoslowakei
Meine Mandeln landeteten in Madrid.“
(Aglaja Veteranyi)

Der Roman erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.A. „Die Ehrengabe des Kantons Zürich“ den „Adalbert Chamisso Förderpreis“, sowie die Nominierung für den „Ingeborg Bachmann- Preis“.

REGIE, DRAMATURGIE:
Helen Körte,

BÜHNE, OBJEKTE:
Wilfried Fiebig
Mathias Kraus (Bemalung Fächer)


DARSTELLER/INNEN:
(Spiel, Gesang und Tanz)
Raiija Siikavirta,
Hanna Linde,
Katrin Schyns (Gesang)
Damaso Mendez (Tänzer)


MUSIKER
(auf insgesamt vierzehn Instrumenten):
Martin Le Jeune:
e-Gitarre, Euphonium, Kontrabass, Mandoline.
Jens Hunstein:
Bass Klarinette, Bariton Querflöte, Picollo, Saxophon
Clara Holzapfel:
Geige, Akkordeon
Timo Neumann:
Schlagzeug, Percussion, Xylophon

KOMPOSITION:
Martin Le Jeune

DIE KINDER:
Hristo Dimitrov
Osato Goormans
Erjon Muco
Alara Ahmed
Kertina Gagar


KOSTÜME:
Margarete Berghoff
Maria Dimitrova (Kostüme Kinder)


ASSISTENZ:
Janine Karthaus

LICHT:
Tarkan Gürsoy, Wilfried Fiebig

PROJEKTIONEN /FILM:
Sebastian Schnabel
Thomas Brenneis


Fotos:
Sabine Lippert

GRAFIK:
Jörg Langhorst

KOOPERATIONSPARTNER UND SPONSOREN:
Fazit - STIFTUNG
PETER USTINOV STIFTUNG
Kooperation HfG-Offenbach
MEHRGENERATIONEN HAUS

Mit Unterstützung des
KULTURAMTS FRANKFURT am Main

www.gallustheater.de


PRESSESPIEGEL

Frankfurter Rundschau vom 5.11.2016:

Die Poesie des Lebens in ständiger Gefahr

Von ANDREA POLLMEIER

Das Frankfurter Ensemble 9. November zeigt im Gallustheater „Warum das Kind in der Polenta kocht“. Mit fein ausbalancierter, akrobatisch-poetischer Phantasie.

Es gibt eine Art Humor, die es ermöglicht, menschlicher Not nah zu rücken, ohne voyeuristisch zu wirken. Wer so erzählt, kann wie beispielsweise Charlie Chaplin noch in Kreisen, wo schon Abstumpfung vorherrscht, Empathie wecken. Auf diese Weise hat jetzt das Ensemble 9. November (E9N) im Gallustheater das Stück „Warum das Kind in der Polenta kocht“ inszeniert.

Das Stück ist an den gleichnamigen Roman der rumänischen Autorin Aglaja Veteranyi angelehnt und schildert in einem surrealen Ton ihre Familiengeschichte, in der ihr Vater, der renommierte Zirkusartist Tandarica, zusammen mit Frau und Kindern vor der Ceausescu-Diktatur ins Ausland flieht.

In diese Zirkuswelt taucht die Inszenierung des E9N kunstvoll ein und zeigt in skurrilen Bildern aus der Perspektive des Kindes, wie es sich anfühlt, unter beständiger Gefahr zu leben. Damit das Kind seine Angst beherrschen kann, erzählt ihm die Schwester allerlei Geschichten. Zum Beispiel die von dem Kind, das sich im Polenta-Topf versteckt und plötzlich mit gekocht wird.

Die Vorstellung von dessen Schmerzen verdrängt vorübergehend die Angst um die Mutter. Diese sitzt zu Beginn der Inszenierung hoch oben auf einer Schaukel, ihr langer Haarzopf ist nach oben hin angebunden. Was zunächst nur unnatürlich wirkt, erhält durch die Erzählung seinen sadistischen Sinn: Die Szene erinnert an die Zeit, als die Mutter im Zirkuszelt hoch oben auf dem hohen Seil stand, und ihr Leben auf grausam schmerzhafte Art an ihren Haaren abgesichert wurde.

Manchmal auch brüsk

Solch versteckte oder manchmal auch brüsk gezeigte Härte findet sich in Hülle und Fülle in diesem Stück. Sie ist dem realen Leben abgeschaut, wird jedoch durch humorvolle Szenen und eine akrobatisch-poetische Phantasie in der Inszenierung unter der Regie von Helen Körte fein ausbalanciert. Vor zwölf Jahren hatte das Stück mit dem skurrilen Titel bereits Uraufführung. Man spürt in der bearbeiteten Fassung heute deutlich, dass hier nicht kurzfristig auf Zeitgeist reagiert wird, sondern eine existenzielle Verbundenheit das Thema Flucht und Vertreibung fundiert.

Helen Körte nutzt in ihrer Inszenierung die für das E9N charakteristische und ungemein vielschichtige Verbindung aus Pantomime, Tanz, Gesang, Varieté, Schauspiel (mit Raija Siikavirta, Hanna Linde, Katrin Schyns und Damaso Mendez), Bildender Kunst (Wilfried Fiebig und Mathias Kraus) und live von vier Künstlern auf zwölf Instrumenten eingespielter Musik (Komposition: Martin Le Jeune). Sie entfaltet so einen poetischen Ton, der einzigartig ist.

In dieses bunte Spiel werden Sätze aus dem Roman von Aglaja Veteranyi bisweilen wie Blitzschläge eingefügt. Sie erden die schwebende Leichtigkeit der Bühnenbilder und übermitteln so den realen Verlauf der Fluchtgeschichte. Die Erzählung entfaltet sich so an oft minutenschnell wechselnden Szenen entlang und es ist unberechenbar, was der nächste Augenblick bereithält.

Frankfurter Neue Presse vom 08.11.2016:

Traumata unter der Zirkuskuppel

Von MARCUS HLADEK

Helen Körtes „Ensemble 9. November“ setzte in Frankfurts Gallus-Theater ihre Regiearbeit „Warum das Kind in der Polenta kocht“ nochmals neu in Szene. Musik, Akrobatik und Spiel vermischen sich in dem Stück „Warum das Kind in der Polenta kocht“.

Dies Stück Musiktheater, mit dem das „E9N“ 2004 in Sibiu (Rumänien) gastierte, folgt Aglaja Veteranyis Roman gleichen Titels. Der Vorname der Schweizer Autorin ist der der jüngsten Grazie. Furchtbar jung war auch sie selbst, als sie in der Diktatur Ceausescus dann mit ihrer aus Rumänien geflohenen Zirkusfamilie üble Erfahrungen machte – wie Nacktauftritte im Varieté mit 13 Jahren. Ihr Clowns-Vater missbrauchte ihre Schwester. Roman und Stück spiegeln das.

Zwar muss Veteranyi Glücksmomente voller Poesie und Magie erlebt haben, davon zehren Bühnenfassung und Regie ja. Doch jede Antwort auf die Titelfrage wird zum Abwehrzauber, den das Mädchen, ungewollt frühreif und naiv, beschwört. In seiner zauberischen Welt, wo Gott in der Erde lauert wie ein Vampir und der Himmel absurd ausgemalt wird, führten Glück und Horror zu Traumata. 2002, noch keine 40, ging die erfolgreiche Schriftstellerin in den Zürichsee.

Katrin Schyns als Mutter sitzt noch länger als Raija Siikavirta und Hanna Linde, die Schwestern, auf ihrer Trapezschaukel. Entsprechend der Zirkusnummer der am Haar schwebenden Frau sind die ihren lang und so prächtig wie ihr grün-goldenes Schnürkostüm (Margarete Berghoff). Zur Seite steht den drei auf hohem Niveau quirlig-einfallsreichen Darstellerinnen Damaso Mendez als tanzender Vater-Clown. Außerdem vier Musiker und fünf Kinder im Aglaja-Alter, die alles noch glaubhafter und heiterer machen. Martin Le Jeune (Komposition) und seine Musiker (Jens Hunstein, Clara Holzapfel, Timo Neumann) mischen Balkanklänge mit Jazz und allem, was anliegt: ein kongeniales Klangkostüm hoher Qualität, von Kontrabass und Geige über Banjo und Akkordeon bis hin zu Saxofon und Bassklarinette. Dazu Stummfilme.

Wilfried Fiebig (Bühne, Kostüme) ergänzt seine Mittel aus Metall und Kunststoff um weichen und glänzenden Stoff, multifunktionale Treppenelemente, Fahnen oder Engelsflügel und erzeugt romangemäße Bildpoesie. Schön und gelungen.

PREMIERE
Mittwoch 27. April
2016

"Mein Freund Gulliver"
Dargestellt von den
Insassen des E9N

 


ALLE
AUFFÜHRUNGEN:


April 2016

PREMIERE: Mittwoch, 27. April 2016, 20 Uhr
Donnerstag, 28. April 2016, 20 Uhr
Freitag, 29. April 2016, 20 Uhr

Mai 2016

Dienstag, 3. Mai 2016, 20 Uhr
Mittwoch, 4. Mai 2016, 20 Uhr
Donnerstag, 5. Mai 2016, 20 Uhr
Freitag, 6. Mai 2016, 20 Uhr
Samstag , 7. Mai 2016, 20 Uhr





Fotografie:
Sabine Lippert


Gallus Theater
Tel. Reservierungen
069 75 80 60 20
Kleyerstraße 15
60326 Frankfurt
http://www.gallustheater.de


 


Wenn Insassen ausbrechen
Wo brechen sie hin ?

In die Kunst !

Und wo landen sie ?

In der Realität

Was machen sie dort ?
Das E9N !

Aus der Ferne wird alles klein

In der Nähe wird
Erschreckend groß

Sind Übertreibungen
In Klein und Groß
Für Kinder genug ?

Einbrecher stehlen
nur Bekanntes

Ausbrecher
Stehlen nur
Unbekanntes

Die Ausbrecher
Des E9N
Wissen noch nicht
Was ihnen
Gestohlen wird

Pferde können nicht
Lügen
Sie wissen nicht
Was nicht ist

 


Regie, Konzeption,
Dramaturgie

Dr. Wilfried Fiebig

Interventionen
Helen Körte

Schauspiel:
Venera Dik
Eric Lenke
Janine Karthaus
Kathrin Schyns

Unterstützt von:
Kulturamt
der Stadt Frankfurt am Main
HfG Offenbach

www.gallustheater.de







Der Handel hat
Den Sturm ersetzt
Wer sind da die Piraten ?

Intriganten sagen,
daß grüne Scheiße
den Königsmörder verrät

Unsterblichkeit
Trägt einen schwarzen Fleck
Über dem linken Auge

Was erleben Reisende ?
Nichts Neues !

Reisende gestern
Kommen heute
Zurück
Als Flüchtlinge

Laut gestellt
Wird Lärm

Gullivers Undinge
Reisen bringen sie
Nach Hause

Das Meer ist nur voller
Wasser

Und die Stürme ?



PRESSESPIEGEL

Frankfurter Rundschau vom 28.4.2016:

Gullivers Interventionen

Nur ein Jugendbuch? Das Ensemble 9. November macht aus Swifts Roman im Gallustheater in Frankfurt ein Gesamtkunstwerk und nennt es „Mein Freund Gulliver“.

Ein Wunder eigentlich, dass sich das Frankfurter Ensemble 9. November erst jetzt des Schriftstellers Jonathan Swift und seines bahnbrechenden Hauptwerks „Gullivers Reisen“ angenommen hat: Eines ungeachtet seiner eminenten Verwicklung in die Politik der Zeit unbeugsamen anglo-irischen Geistes und eines zwischen Satire, Reise- und utopischem Roman angesiedelten Buchs. In einem allzeit gültigen Skeptizismus ist es immens viel mehr als bloß die beliebte Jugendlektüre, als die es in beschnittener Fassung hierzulande populär wurde. „Mein Freund Gulliver“ hatte jetzt im Gallustheater Premiere. Im 28. Jahr bringt das Ensemble Arbeiten von einer eigensinnig speziellen und schon lange wohlbekannten Art auf die Bühne, die sich dann doch ein um das andere Mal wieder um einen bestimmten Kick unterscheiden. Kennzeichnend ist ein gesamtkunstwerklerischer Ansatz, an dem die eigenwillig bizarren skulpturalen Kunstobjekte von Wilfried Fiebig prägenden Anteil haben. Aus heutiger Sicht kann dieses literarisch-philosophisch orientierte und von einem aufklärerisch-humanistischen Impetus im Nachbeben der 68er-Bewegung getriebene Traditionsunternehmen der Freien Theaterszene in Frankfurt es für sich beanspruchen, der Welle von Romanadaptionen auf dem Theater deutscher Sprache voraus gewesen zu sein. Das Metronom tackert Die gleichsam hauseigene Opulenz ist diesmal von einer eher kargen Art. „Gespielt von den Insassen des Ensemble 9. November“ – dergestalt spielt der Untertitel (ansonsten folgenlos) auf Peter Weiss’ „Marat/Sade“ an. Vor allem bleiben in diesem musikalischen Theater – wohl ein Novum – diesmal die Musiker aus. Die Inszenierung von Fiebig, mit sogenannten „Interventionen“ seiner Gründungspartnerin Helen Körte, beginnt unter dem Tackern eines Metronoms in seinem gnadenlosen, das Vergehen von Zeit und damit Endlichkeit signalisierenden Gleichtakt. Mehrfach werden planvoll krude Überlagerungen mannigfacher Musiken zwischen Oper, Jazz, Vokalmusik der Renaissance und so fort eingeblendet. Mit Filmbildern aus früheren Inszenierungen erweist sich das Ensemble selbst Reverenz; als markant kantiger Vorleser tritt Fiebig einige Male persönlich in Erscheinung. Das Spielerquartett um Venera Dik, Janine Karthaus, Kathrin Schyns und Eric Lenke ist in der nach Art des Hauses episodisch strukturierten Folge von Szenen in einer bescheidenen Art tänzerisch gefordert. Fiebig und Körte machen einfach immer weiter mit ihren kunstvoll ausgeleuchteten und eine Eigenständigkeit gegenüber dem Text behauptenden Bildern. Ohne tiefgehende Überraschung in der Machart, immer noch aber mit einer gewissen Kraft der Findung.
Von STEFAN MICHALZIK


FAZ vom 29.4.2016:

Mechanik der Aufklärung: "Mein Freund Gulliver"

Jonathan Swifts „Gullivers Reisen“ gilt hierzulande als phantastische Kindergeschichte, ist aber tatsächlich ein satirischer Roman, der die wirklichen und vermeintlichen Errungenschaften seiner Zeit aufs Korn nimmt. Und auch die Reisefreudigkeit des englischen Individuums sowie den Expansionsdrang des britischen Empires. Zentrales Thema freilich ist die aufgeklärte'Epoche und die Kritik daran, gut 30 Jahre vor Voltaires „Candide“, der in die gleiche Kerbe schlug. Das Unbehagen an der Au?därung ist seither nicht mehr geschwunden und artikulierte sich zumal im 20. Jahrhundert bei Meisterdenkern, die seinerzeit als Widersacher galten, sich aber in ihrer Kritik der instrumentellen Vernunft sehr nahestanden, Adorno und Heidegger. Die Apparate, die Mechanismen, die Vorrichtungen, mit denen sich die Menschen abplagen müssen, seit Technik und Wissenschaften sich der Lebenswelt bemächtigt haben, werden in dem Stück „Mein Freund Gulliver“, dargestellt, wie es heißt, von „den Insassen des Ensemble 9. November“, auf der Bühne des Frankfurter Gallus-Theaters zur künstlerischen Realität. Inszenator Wilfried Fiebig hat wieder einmal einen Fundus an Objekten geschaffen, mit denen die Darsteller umgehen, in die sie sich einfügen, denen sie unterworfen sind. Seine gestalterische Phantasie scheint keine Grenzen zu kennen. Die Dinge, die sich den Körpern aufdrängen und sie zu dominieren versuchen, passen tref?ich zu dem Stoff, aus dem die Aufklärungskritik ist. Schon die erste Szene lässt die Ambivalenz einer rein rationalen Weltaneignung deutlich werden: Eric Lenke, der mit ungemeiner Spielfreude zu Werke geht, bedient sich eines Konstrukts aus vielerlei Stäben, das ihn gleichermaßen stützt wie behindert: Segen und Fluch der Moderne. Wer eine Personenentwicklung oder überhaupt einen dramatischen Ansatz erwartet, dürfte enttäuscht werden, aber es ist Fiebig gelungen, eine Montage einzelner Szenen herzustellen, von denen jede Uberraschungsmomente, absurde Pointen und groteske Situationen bereithält. Immer neue Objekte lassen das Bühnengeschehen zu einer Abfolge von Bildern werden und formen vermischte Gedanken, nicht nur solche von Swift, zur Kunst.
(zer.)